Regional ausgerottet, nun zurück
Bald beginnt die Fastenzeit. Für den Fischotter war sie im Mittelalter genauso gefährlich wie für den Biber, denn durch seine aquatische Lebensweise galt er als erlaubte Fastenspeise. Bis an die Ausrottung durch rücksichtslose Bejagung haben ihn in Europa aber zwei andere Eigenschaften gebracht: sein kostbarer Pelz und die Nahrungskonkurrenz zu menschlichen Fischern. Hinzu kamen Umweltgifte und Lebensraumzerstörung. Am Ende standen eine westliche und eine östliche Restpopulation und dazwischen ein otterfreies Mitteleuropa. Doch nun kommt er zurück!
Merkmale
Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) ist unser größter Marder; nur der Dachs ist schwerer. Der phantastische Schwimmer und Taucher ist mit wasserdichtem Fell, torpedoförmigem Körper, verschließbaren Nasenlöchern und Ohren sowie Schwimmhäuten zwischen den Zehen perfekt an das Wasser angepasst, in dem er bis zu 12 km/h schnell schwimmen und bis acht Minuten lang tauchen kann. Sein Gewicht liegt bei fünf bis zehn Kilogramm. Vom Kopf bis zum Rumpf misst ein erwachsenes Tier etwa 60 bis 90 Zentimeter. Der rundliche und muskulöse Schwanz ist dann noch einmal etwa halb so lang. Der Fischotter nutzt ihn als Steuerruder. Das dichte Fell, am Rücken braun, am Bauch heller und an der Kehle weißlich, weist pro Quadratzentimeter rund 50.000 Haare auf – am Menschenkopf sind es bloß 120! Fischotter ernähren sich wie alle Marder recht vielseitig. Neben Fischen und Fröschen erbeuten sie auch Krebse, Insekten, Schermäuse und Wasservögel. Jeder Otter benötigt etwa ein Kilogramm Nahrung täglich.
Lebensraum und Fortpflanzung
Der Lebensraum des Fischotters sind naturnahe Gewässerufer, reich gegliedert mit flachen und steilen Böschungen, Kolken, Mäandern, Unterspülungen, satter Vegetation und ausreichender Breite. Infrage kommen stehende und fließende Gewässer wie Flüsse, Bäche, Seen, Sümpfe, Flussmündungen, Meeresufer und auch vom Menschen geschaffene Talsperren, Teichanlagen oder breite Gräben. Nur sauber, fisch- und strukturreich müssen sie sein. Die Reviere des Otters umfassen je nach Nahrungsangebot zwischen 2 und 20 km Uferstrecke. Etwa alle 1000 Meter braucht der Fischotter einen ungestörten Unterschlupf, zum Beispiel unter den Wurzeln alter Bäume oder in dichten Weiden- und Erlenbüschen direkt am Ufer. In diesen Verstecken verschläft er den Tag und zieht seine ein bis vier Jungen auf. Die „Ranz“ genannte Paarungszeit ist ganzjährig; der Schwerpunkt liegt aber im Februar und im März.
Verhalten
Fischotter sind sehr verspielt und lautfreudig: sie keckern, murren, pfeifen und kreischen. Erwachsene Tiere bleiben territorial und einzelgängerisch, jüngere leben gesellig und in Familien. Überwiegend sind Otter nachtaktiv und unternehmen ausgedehnte Beutezüge in ihren Revieren, die teilweise auch über Land führen und bis zu 40 Kilometer Strecke umfassen können.
Bedrohungen und Schutz
Otter meiden generell Brücken und umgehen sie auf dem Landweg, wo sie oft dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. Der Verkehrstod ist zusammen mit Lebensraummangel, Wilderei und dem Verenden in Fischreusen dafür ursächlich, dass Fischotter weiterhin nur rund 2% ihrer früheren Bestandszahlen erreichen und auf der Roten Liste stehen. Und das, obwohl sie ganzjährig geschützt sind, keine natürlichen Feinde haben und von der verringerten Giftbelastung der Gewässer profitieren. Doch langsam breiten sie sich vom Osten Deutschlands her wieder aus, haben Bayern erobert und kürzlich wurde sogar ein Fischotter im Westerwald nachgewiesen! Wichtig sind dafür breite Uferstreifen ohne menschliche Störung, ottersichere Reusen, der Verzicht auf Bebauung sowie Intensivlandwirtschaft in Gewässernähe und grundsätzlich die Renaturierung von Uferbereichen und Gewässern. Aber nicht allein.
„Fischräuber“ nicht bejagen!
Entscheidend ist auch, die mit wachsender Otterdichte zunehmende illegale Bejagung durch solche Jäger und Fischer abzustellen, die den Otter nur als gefräßigen Konkurrenten wahrnehmen. Bereits die erhebliche Reviergröße beschränkt jedoch die Otterzahl. Unbegründet ist auch die Mär, Otter könnten ganze Flüsse „leerfischen“. Vielmehr hängen die Fischbestände grundlegend von der Habitatqualität ab und weniger vom Fressfeind: Wer keine Ufervegetation pflegt, setzt seine Fische in einer kahlen „Badewanne“ nahrungs- und schutzlos allen Beutegreifern aus. Und davon gibt es noch einige andere, zum Beispiel Kormoran, Reiher, Waschbär, Mink, Marder, Fuchs und nicht zu vergessen die Hauskatze. Überdies werden Schutzanlagen von Fischteichen und nachgewiesene Schäden durch Otter regelmäßig staatlich finanziert.
Es spricht also nichts dagegen, den rückkehrenden Fischotter freudig zu begrüßen und dieser Leitart für gesunde und artenreiche Gewässer angemessenen Lebensraum zu bieten.


