NABU-Thema im März: Die Jagd im Frühling

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Die Natur erwacht

Der dunkle Winter ist endlich überwunden und viele Menschen zieht es in die Natur: Jogger, Spaziergänger, Hundehalter, Radfahrer bevölkern nun wieder in großer Zahl Feld- und Waldwege. Angesichts der noch kargen Vegetation und der erst zögerlich zurückkehrenden Zugvögel ist es vielen dieser Naturfreunde nicht klar, dass schon jetzt störungsempfindliche Jungtiere geboren werden. Die kleinen Feldhasen werden bereits ab Mitte Februar gesetzt und liegen dann versteckt in Ackerfurchen – oft nahe der Wege, auf denen Hunde frei laufengelassen werden. Die Rehe werden aktiver und wagen sich in den Tagesstunden ins Freie; hochträchtige Ricken suchen nun frisches Grün auf Wiesen und Feldern. Auch Füchse sind weniger scheu als sonst.

Viel Arbeit für den Jäger

Und was macht der Jäger in dieser Zeit? Generell ruht die Jagd noch bis zum 1. Mai; nur zur Wildschadensbegrenzung sind kontrollierte Abschüsse von Wildschweinen zulässig. Stattdessen ist Revier- und Biotoppflege angesagt: Wildäcker werden gemäht und angesät, Wege gepflegt, schadhafte Hochsitze repariert und zuhause muss der eskalierende Papierkrieg bewältigt werden, den die Bürokratie den Jagdausübungsberechtigten auferlegt. Trotzdem bleibt Zeit zum Schauen, zum Horchen und zum Genießen der Natur – ganz ohne Waffe. Natürlich bereitet dieses stille Beobachten auch die kommende Jagd vor: Wildwechsel und Rudelplätze müssen erkannt, die Populationsstärken und vor allem der Ernährungs- und Gesundheitszustand des Wildes eingeschätzt werden. Denn die Jagd muss zielorientiert erfolgen und heutzutage sind nicht imposante Trophäen das Ziel, sondern die Erfüllung der vorgeschriebenen Abschussquoten, das Vermeiden von Verbiss- und Fraßschäden und vor allem die Gesunderhaltung der wilden Tierbestände und ihrer Lebensräume, die den Jägern anheimgegeben sind, sei es durch Hege oder durch Entnahme.

Rettung von Kitzen und Niederwild

Zu dieser Gesunderhaltung gehört auch die Rettung von Rehkitzen vor landwirtschaftlichen Maschinen. Das wird zwar erst in der Erntezeit im Sommer nötig, aber es ist der Frühling, in dem die umfangreiche Ausrüstung beschafft, gewartet, getestet und im Gebrauch eingeübt werden muss. Jagd ist heutzutage oft High Tech: Nicht nur Wildkameras mit Bewegungsmeldern oder Nachtsichtgeräte, sondern auch spezielle Drohnen mit Wärmebildkameras für Tausende von Euro werden von Jägern finanziert und eingesetzt, um Kitze, Hasen und Bodenbrüter davor zu bewahren, von Erntemaschinen zerfetzt zu werden. Angesichts des vielerorts aussterbenden „Niederwilds“, der Hasen, Fasane, Rebhühner und Wachteln, aber auch anderer Bodenbrüter wie der Lerchen oder der Watvögel ist das reiner Naturschutz ohne jagdliches Interesse: Die Tiere sind viel zu selten geworden, um ernsthaft bejagt zu werden.

Eisiger Nachtansitz

Zurück zur Jagd mit der Waffe: Tatsächlich sind im März zahlreiche Ansitznächte in der Kälte am Ackerrand nötig, um die frischen Austriebe der Feldfrüchte vor den Wildschweinen zu bewahren, die beim Umbrechen der winternassen Böden besonders hohen Schaden anrichten. Das ist auch Eigennutz, denn diese Schäden muss der Revierinhaber den Landwirten ersetzen.

Rücksichtslos, verständnislos

Kommen wir zuletzt auf jene Schäden zu sprechen, die im Frühling nicht von Wildtieren verursacht werden, sondern von jenen Naturnutzern und ihren Hunden und Pferden, die wir eingangs erwähnt hatten: Die noch kaum ergrünten Äcker, die unberührten Waldareale jenseits der Wege sind offenbar für manche Zeitgenossen bevorzugte Abenteuerspielplätze. Durch streunende Hunde, trampelnde Pferde, lärmende Jogger und vor allem fanatische Mountainbiker auf der Suche nach neuen Trails werden die letzten Rückzugsgebiete des Wildes entwertet und landwirtschaftliche Kulturen beschädigt. Wenn Jäger die betreffenden Zeitgenossen zur Rede stellen, schlägt ihnen häufig blanker Hass entgegen.

Nur gemeinsam!

Doch es geht nur gemeinsam! Egal ob Jäger, Landwirte, Forstleute oder Erholungssuchende – wir nutzen dieselbe Landschaft und sie bietet Raum für uns alle, wenn wir aufeinander Rücksicht nehmen, einander zuhören und nie vergessen, dass auch mal der andere Recht haben könnte.

© Marcus Federowitz