NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den Verbandsgemeindeblättern von Diez, Bad Ems, Nassau, Katzenelnbogen und Hahnstätten. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Oktober 2018:  Stadtgrün

„Summer in the city“ – in diesem Jahr war das eine heiße Sache. Überall dort in unseren Innenstädten, wo Pflanzen Schatten und Feuchtigkeit spenden, war das Wetter gut auszuhalten, doch auf freien Plätzen und vor nackten Stein- und Glasfassaden wurde es schier unerträglich. An solchen Tagen war der Wert des sogenannten „Stadtgrüns“ aus Bäumen, Sträuchern, Rank-, Kübel- und Beetpflanzen im Siedlungsbereich direkt messbar in mehreren Grad Celsius Temperaturdifferenz!

Aber dieses Stadtgrün hat noch viele weitere Vorteile. Zunächst einige naturwissenschaftliche Argumente: Die Atemluft wird verbessert durch Staubfilterung, Schadstoffabbau, Keimbindung, Anfeuchtung und Sauerstoffbildung. Wind, Lärm und Regenwasserspitzen werden gedämpft. Bereits dadurch steigen Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung, so sinken zum Beispiel Atemwegserkrankungen. Hinzu kommen sogenannte „weiche“ Faktoren: Blüten und Blattfärbung machen die Jahreszeiten erlebbar, Vögel und Falter werden angelockt. Grün-bunte Oasen fördern Ruhe und Entschleunigung, mindern Stress und Aggression. Betonharte Zweckbauten werden mit Strukturen und Blickfängen bereichert, dadurch wachsen zusammen mit den Pflanzen die Identifikation und das Heimatgefühl der Menschen. Biergärten und Eiscafés unter Bäumen haben regen Zulauf, Bänke auf kahlen Plätzen bleiben leer. Die hohe emotionale Bedeutung eines grünen Stadtumfelds wurde in Umfragen vielfach belegt. Übrigens: Stadtimker in begrünten Metropolen ernten mittlerweile den besten Honig. Und nun wird es ökonomisch: Die begrünte Stadt ist lebenswert und attraktiv, was sich auch in guten Umsätzen der örtlichen Geschäfte und stabilen Immobilienwerten niederschlägt – Stadtgrün zahlt sich aus! Angesichts der Tatsache fortgesetzten Zuzugs – schon jetzt lebt die Mehrheit der Bevölkerung in Städten – werden diese Vorteile immer bedeutsamer, das Stadtgrün wird immer wertvoller für immer mehr Menschen.

Mehr Stadtgrün ist somit ein sinnvolles Ziel. Wie ist es zu erreichen? Entscheidend ist zunächst die Stadtplanung: Bei allen Neu- und Umgestaltungen von Stadtquartieren sind ungeachtet lukrativer Flächenpreise großzügige unversiegelte Grünbereiche vorzusehen. Nachhaltige Begrünung wird zudem nur durch standortangepasste Bepflanzung erreicht: Wärme-, salz- und abgasempfindliche Pflanzen sterben zu rasch ab, nur robuste Pflanzen werden alt. Bäume benötigen überdies hinreichend Platz sowohl über als auch unter der Erde für Krone und Wurzelwerk. Ein gesunder, vielgestaltiger, vernetzter Mix aus Stauden, Hecken, Sträuchern, kleinen und großen Bäumen sowie auch Wiese und Rasen erfüllt bestmöglich die stadtökologischen Funktionen. Zudem wird so der Pflegeaufwand im Vergleich zu herkömmlichen Blumenrabatten und Rosenbeeten erheblich reduziert. Am effizientesten ist es, wenn das Stadtgrün nicht nur „auf dem Boden bleibt“, sondern auch „die Wände hochgeht und uns aufs Dach steigt:“ Fassaden- und Dachbegrünung potenzieren die Lebensräume!

Reiches Stadtgrün ist schon heute ein wichtiger Standortfaktor im Ansiedlungswettbewerb und zukünftig erst recht: Im Klimawandel wird nur die lebensfreundlich begrünte Stadt überdauern und nicht die Betonwüste.

 

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