NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den wöchentlichen Amtsblättern der Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

August 2019:  Schlangen

Schlangen und Menschen – das war noch nie eine einfache Beziehung. Ebenso wie Spinnen rufen Schlangen bei vielen Zeitgenossen instinktive Angst und Abscheu hervor. Man weiß nicht, ob das nun an ihrem von unserem so verschiedenen Aussehen und Verhalten liegt oder an schlechten Erfahrungen unserer frühen Vorfahren, aber eines ist sicher: Diese Urängste sind zumindest hierzulande unbegründet. Entgegen zahlloser Gräuelmärchen wird keine unserer Schlangen dem Menschen und seinen Haustieren wirklich gefährlich.

Die wohl bekannteste und häufigste der heimischen Schlangenarten ist die Ringelnatter. Sie hat eine blau-grün-graue, manchmal auch bräunliche Grundfärbung und misst meistens etwa einen Meter, selten mehr. Ihr Hauptmerkmal sind zwei hellgelbe, sichelförmige Flecken im Nacken. Die Ringelnatter ernährt sich von Amphibien, Fischen und Mäusen, die sie mit einem Giftbiss lähmt. Dieses Gift ist so schwach, dass es selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Natternbisses dem Menschen nichts anhaben kann. Bei Gefahr greift die Ringelnatter ohnehin nicht an, sondern stellt sich tot und scheidet ein stinkendes Sekret ab. Für den Menschen ist sie deshalb genauso harmlos wie die übrigen drei Natternarten. Überdies sind die Würfel-, die Schling- und die Äskulapnatter leider so selten, dass die meisten Menschen sie lebenslang nie zu Gesicht bekommen.

Giftiger als Nattern sind Vipern, zu denen auch die Ottern zählen. In Europa weit verbreitet ist die recht bekannte Kreuzotter. Ihr gedrungener Körper ist höchstens 80 Zentimeter lang, seine Grundfarbe ist meistens ein dunkler Braun- oder Grünton, aber auch graue, bläuliche, gelbliche, orange, rotbraune und schwarze Färbungen kommen vor. Charakteristisch für die Kreuzotter ist die dunkle X- oder V-Zeichnung auf dem dreieckigen Kopf sowie meistens ein dunkles Zickzackband auf dem Rücken. Zu ihrem Beutespektrum zählen kleine Säugetiere und Vögel, außerdem Frösche und Eidechsen. Kreuzottern sind nicht aggressiv und versuchen bei Gefahr stets zu flüchten. So kann es nur dann zu einem Biss kommen, wenn man sie stark bedrängt oder versehentlich auf sie tritt. Das Gift der Kreuzotter verursacht zwar Schmerzen, ist aber keineswegs tödlich – ein Arzt sollte dennoch aufgesucht werden. Dasselbe gilt für die sehr seltene Aspisviper, die von der Kreuzotter durch ihre Rückenzeichnung, zwei Reihen dunkler, rechteckiger, manchmal verschmolzener Flecken zu unterscheiden ist.

Bei angeblichen „Schlangenbegegnungen“ in Feld und Wald handelt es sich fast immer um ein anderes Tier: die Blindschleiche, eine beinlose Eidechse. Sie ist gräulich bis bräunlich gefärbt, wird 30 bis 50 Zentimeter lang, ernährt sich von Regenwürmern, Nacktschnecken sowie auch Ameisen und stellt damit eigentlich einen wunderbaren Gartenbewohner dar. Trotzdem werden Blindschleichen ebenso wie „echte“ Schlangen viel zu oft von panischen Spaziergängern mit Stöcken verletzt und erschlagen. Das ist nicht nur töricht, sondern auch strafbar, denn alle heimischen Reptilien stehen unter strengem Naturschutz.

 

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