NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den Verbandsgemeindeblättern von Diez, Bad Ems, Nassau, Katzenelnbogen und Hahnstätten. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Juni 2018:  Schwalben und Mauersegler

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer!“ Der Spruch zielt darauf ab, dass Schwalben frühestens im April, also recht spät aus ihrem fernen Winterquartier zurückkehren und ab Ende August bereits wieder dorthin aufbrechen. Sie sind nämlich Langstreckenzieher und verbringen jene acht Monate des Jahres in Mittelafrika, in denen hierzulande nicht genug Insekten fliegen, von denen sie leben. Die Rauchschwalbe mit ihrer blauschwarzen Oberseite, der rostroten Kehle und den langen Schwanzspießen und die unten weiße Mehlschwalbe mit dem kurzen Gabelschwanz sind die bei uns verbreiteten Arten. Mit der Mehlschwalbe zu verwechseln ist die Uferschwalbe: Sie ist aber sehr viel seltener, weil sie hohe vegetationsarme Ufersteilwände benötigt, in die sie ihre Nester gräbt. Hingegen sind die beiden häufigen Arten wahre Kulturfolger: Die Rauchschwalbe klebt ihre offenen Lehmnester am liebsten an Wände in Viehställen, wo sie Schutz, Wärme und Fliegen findet, die Mehlschwalbe baut ihre geschlossenen Lehmnester bevorzugt unter Hausdachvorsprünge.
 
Den Schwalben sehr ähnlich sehen die größeren, schwarzbraunen Mauersegler: Ihre Winterquartiere liegen bis hinunter nach Südafrika und somit noch weiter entfernt als die der Schwalben, mit denen sie etwa zeitgleich zu uns zurückkehren. Mauersegler und Schwalben sind nicht miteinander verwandt und daher ein Beispiel für eine konvergente Evolution, also die Ausbildung ähnlicher Körpermerkmale bei ähnlichen ökologischen Nischen: Ihre kurzen Leiber und langen, schmalen Flügel machen sie zu blitzschnellen, wendigen Luftjägern fliegender Insekten. Mauersegler sind aber noch extremer entwickelt als Schwalben: Fressen, trinken, schlafen – alles erledigen sie im Flug, sogar ihre Paarung. In nur einer Nacht können sie Hunderte von Kilometern zurücklegen. Ihre rudimentären Flachnester bauen sie in hohen Felsnischen und noch viel öfter in Höhlungen unter Turm- und Hausdächern. Mehr lässt ihr für das Fliegen optimierter Körper nicht zu, nicht einmal das Rasten auf Sitzwarten. Dagegen sind lange Reihen sitzender Schwalben auf Stromleitungen und Zäunen im Frühherbst ein gewohntes Bild, wenn sie sich für den Wegzug sammeln.
 
Die besetzten Schwalbennester an unseren Häusern und die schrillen Schreie der Mauersegler in der hohen Luft sind immer noch charakteristisch für unsere Sommer. Aber die eleganten Flieger werden seit langem seltener: Früher fehlten vor allem Nistplätze und Lehmpfützen, weil die Menschen Löcher an ihren Häusern verstopften, „dreckige“ Schwalbennester abschlugen und sämtliche Wege befestigten. Zum Glück hat hier ein Umdenken eingesetzt: Viele Menschen hängen künstliche Schwalbennester und auch Mauerseglerkästen an ihre Häuser, vielerorts werden Lehmpfützen angelegt und „Schwalbenhotels“ errichtet, demnächst auch eines in Diez. Hunderte von Schwalbenfreunden zeichnet der NABU Rheinland-Pfalz jährlich in seiner Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ aus. In Frankfurt kümmert sich sogar eine spezielle Mauerseglerklinik um verletzte Luftakrobaten. Aber inzwischen ist der Mangel an Nahrung durch das Insektensterben zu einem noch größeren Problem geworden. Hinzu kommen die schweren Verluste, die Schwalben und Mauersegler ebenso wie andere Zugvögel auf ihrem langen Flug über Sahara und Mittelmeer erleiden, oft durch Menschenhand. Wenn wir diese Gefahren nicht bannen, dann könnte es irgendwann leider heißen: „Ein Sommer macht noch keine Schwalbe!“

 

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