Seltene Beobachtung

Wildkatzen im Schönborner Wald
Juli 2019 --- Die europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris), die es bei uns in der Fuchsenhöhl, einem großen Waldgebiet zwischen der Lahn bei Fachingen, Birlenbach und Balduinstein bis an die B 275, bei Zollhaus und Katzenelnbogen erstreckt, noch gibt, wird in der Roten Liste des Bundes als gefährdet eingestuft.

In einigen Bundesländern ist sie sogar vom Aussterben bedroht. In den letzten Jahren gab es immer wieder mal Beobachtungen dieser scheuen Tiere.Sogar eine Katze mit Jungen wurde im Bereich des Schaumburger Waldes gesehen. Die letzte bekannte Beobachtung war erst am Montag, den 22.07.2019, im Schönborner Wald. Dort lief ein noch junger Kuder einem NABU-Mitglied vor die Kamera. Wildkatzen sind Einzelgänger und leben vor allem in strukturreichen Laub- und Mischwäldern mit Lichtungen und Waldwiesen. Nachtaktiv und immer „in Deckung“ sind sie von uns Menschen nur sehr selten zu beobachten. Den Tag verschlafen Wildkatzen gerne in bodennahen Baumhöhlen oder in hohlen Baumstämmen, Reisighaufen, Wurzelhöhlungen und in Holzstapel, die am Waldweg lagern. Manchmal nutzen Wildkatzen aber auch Felsspalten und Erdbauten von Dachs und Fuchs zur Tagesruhe. Als geschickte Mäusejäger verlassen sie meist nur bei Dunkelheit den Waldrand oder andere Versteckstrukturen. Sie können sehr gut hören und so Beutetiere auch in dichter Vegetation oder in der Dunkelheit wahrnehmen. Durch die unabhängig voneinander in fast alle Richtungen beweglichen Ohren, kann das Beutetier schnell lokalisiert werden. Das Nahrungsspektrum besteht vor allem aus Reptilien, Amphibien, Kleinsäugern und Fischen. Die Ranz der Wildkatzen liegt in der Zeit zwischen Januar und März. In der Regel bekommt eine Katze 2 bis 6 Junge, meist aber sind es 4.

Mit unserer Hauskatze hat die Wildkatze nur wenig gemein. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zwischen Wildkatzen und wildfarbenen Hauskatzen ist der dickere Schwanz der Wildkatzen, der weniger Ringe aufweist als der von Hauskatzen und auffällig stumpf endet. Der dunkle Aalstrich auf dem Rücken endet bei Wildkatzen bereits an der Schwanzwurzel. Bei wildfarbenen Hauskatzen erstreckt er sich über den gesamten Schwanz. Auffällig sind auch die langen weißen Schnurrhaare der Wildkatze. Im Freiland fällt aber auch das Verhalten einer Wildkatze sofort auf, sie ist sehr scheu und meidet die Nähe zum Menschen strikt. Natürliche Feinde hat eine ausgewachsene Wildkatze bei uns nicht. Die Jungtiere können jedoch Opfer von Fuchs, Dachs, Baummarder, Habicht und Uhu werden. Auf der anderen Seite kann der Mensch aber zur Gefahr für die Katzen werden. Niemals sollte man sich einem Wildkatzenversteck oder Wurfplatz nähern. Wer eine einsame Wildkatze oder ein Katzenbaby findet, sollte die Tiere in Ruhe lassen. Aufgrund einer starken Zeichnung sind sehr junge, unselbstständige Wildkatzenwelpen häufig nicht sicher von wildfarbenen Hauskatzenwelpen zu unterscheiden. Den Tieren helfen zu wollen, ist zwar gut gemeint, aber das Schlechteste, was man den Jungen antun kann. Wildkatzen lassen sich nicht zähmen und bleiben immer menschenscheu. Die meisten Todesopfer unter Wildkatzen fordert jedoch der Straßenverkehr auf unserem dichten und viel befahrenen Straßennetz.

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