Streuobstwiese

Traditionelle Form des Obstbaus
In unserer Region prägen statt der intensiv bewirtschafteten Obstplantagen immer noch viele unregelmäßig gepflanzte hochstämmige Bäume auf Wiesenmatten und -hängen die Landschaft: Auf Spaziergängen kann man sich ein Bild von der Schönheit dieser mal blühenden, mal belaubten, mal erntereifen Apfel- und Birnbäume machen; die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der oft jahrhundertealten Sorten in Aussehen und Geschmack ist selbst für Experten kaum zu überblicken. Weil dort die Obstbäume meist „verstreut“ stehen und das nährstoffarme Gras unter den Bäumen früher als Stalleinstreu verwendet wurde, nennt man diese Flächen Streuobstwiesen. Ein Großteil der Streuobstwiesen wurde in den 1970er und 1980er Jahren zugunsten von Neubau- und Gewerbegebieten gerodet: Während es 1950 noch 1,5 Millionen Hektar Streuobstwiesen in Deutschland gab, sind es heute nur noch etwa 300.000 Hektar – ein Rückgang um 80%! Das ist eine schwerer Verlust, denn Streuobstwiesen sind zugleich wertvolles Kulturerbe und unersetzliches Naturgut: Sie beherbergen allein in Deutschland über 1.000 Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Walnusssorten und bieten überdies Lebensraum für bis zu 5.000 wilde Tier- und Pflanzenarten. Damit sind Streuobstwiesen nicht nur eine lebendige Genbank, sondern sie zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas! Neben vielen Wiesenkräutern findet man dort zahlreiche Schmetterlings-, Wildbienen-, Hummel-, Heuschrecken- und Käferarten, verschiedene Amphibien- und Eidechsenarten, dazu Fledermäuse, Siebenschläfer, Mauswiesel, Igel und Feldhase. Aus der großen Zahl an Vogelarten sei nur der Steinkauz als Charaktervogel der Streuobstwiesen erwähnt. Nicht zuletzt findet auch die immer seltenere Honigbiene dort wertvolle und giftfreie Nahrung. Glücklicherweise hat in den letzten zwanzig Jahren ein Umdenken auch in der Politik stattgefunden; vielerorts wurden alte Streuobstbestände wieder bewirtschaftet und neue Flächen angelegt. Aber damit ist es nicht getan: Um die Streuobstwiesen zu erhalten, müssen sie regelmäßig arbeitsintensiv durch Mahd, Baumschnitt und extensive Beweidung gepflegt werden. Dabei engagieren sich neben Einzelpersonen gerade auch die Naturschutzverbände (so auch der NABU Rhein-Lahn auf seinen Pachtflächen). Letztlich ist aber dieses Engagement buchstäblich umsonst, wenn nicht auch die Konsumenten ihren Teil dazu beitragen und Streuobstprodukte einkaufen, damit zumindest ein Teil des Pflegeaufwandes erwirtschaftet werden kann. Das ist nicht schwer, denn Tausende kleine und mittelständische Unternehmen verkaufen in Deutschland Produkte von Streuobstwiesen. Und auf heimischen Wochenmärkten sowie bei regionalen Direktvermarktern kann man sich mit schmackhaftem und gesundem Obst, Saft und Honig aus der unmittelbaren Umgebung versorgen, die ohne Pestizide und Kunstdünger erzeugt wurden. Damit unterstützt man den Naturschutz und erlebt zudem, dass natürlich produzierte Lebensmittel mehr Genuss bringen als billige Massenware. Zudem könnten die inzwischen zahlreichen "Apfel-Allergiker" feststellen, dass alte Sorten wie z.B. der Berlepsch für sie gut verträglich sind, weil sie im Gegensatz zu den Industriesorten noch wertvolle Polyphenole enthalten, die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen.

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